Salon Mode et Tissus - 23ème Edition "Automne/Hiver" - 24 au 27 octobre 2013 - Val d'Argent Expo - Sainte Marie aux Mines (Alsace-68)
Die Geschichte der Textile Industrie
 

Die Anfänge der Baumwollindustrie in Sainte-Marie-aux-Mines

Ab dem 16. Jahrhundert stellen die Zünfte der Tuchmacher, Wirkwarenhersteller und Posamentierer Qualitätsware her, die sich ebenso gut in Basel wie in Versailles verkaufen lässt. 1740 beginnen Philippe Steffan und Médard Zetter mit der Produktion von Baumwollstoffen. 1756 beschäftigt ihre Manufaktur 200 Personen, und eine Verfügung aus demselben Jahr gewährt ihnen die exklusiven Fabrikationsrechte.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begünstigen eine Reihe von Umständen die Entwicklung der Baumwollverarbeitung. Durch die Schließung von Bergwerken wird ein Teil der örtlichen Arbeitskraft frei. Zudem ist Mulhouse nicht weit, wo sich die ersten Webereien niedergelassen haben. Von dort kommen auch die Technik und das Kapital. Schließlich erlauben die französischen Gesetze – im Gegensatz zu Mulhouse, einer Stadt, die zur Eidgenossenschaft gehört und in der die Textilproduktion gesetzlich begrenzt ist – den freien Handel mit Rohstoffen, Baumwolle und gefärbtem Garn. So kommt es, dass Textilbetriebe aus Mulhouse sich im Val d’Argent ansiedeln wollen.

Die ersten Spinnereien

Die Fabrikanten in Sainte-Marie-aux-Mines leiden jedoch unter einer schwierigen Versorgungslage. Zwar wird im Norden des Landes und auch im Tal selbst genügend Flachs gewonnen, aber die Baumwolle stellt die Industrie vor große Probleme. Sie wird aus der Türkei und Griechenland importiert. Man transportiert sie auf der Donau bis nach Wien oder über das Mittelmeer nach Marseille. Ein Zug aus Pferdekarren braucht etwa 6 Wochen, um von Marseille aus ins Elsass zu gelangen. Der große Verdienst von Jean-Georges Reber ist es, dass er die für die Webereien in Sainte-Marie-aux-Mines notwendigen Rohstoffe am Ort bzw. in der näheren Umgebung herstellte, in dem er 1755 in der Rue Saint-Louis eine erste Spinnerei begründete.

Die ersten Färbereien

Mit der Gründung der ersten Spinnereien wird Sainte-Marie-aux-Mines in die Lage versetzt, eigenes Garn herzustellen, aber es fehlt noch die Möglichkeit, dies industriell zu färben, was für bestimmte Artikel notwendig ist. Die Garne werden bis nach Marseille gebracht, wo die traditionelle Technik der indischen Färbekunst erhalten ist.

Man braucht 6 Wochen bis zu dem Mittelmeerhafen. Bei 3 Monaten für den Hin- und Rücktransport und 3 Monaten für den Prozess des Färbens sind die Garne fast 6 Monate aus dem Verkehr gezogen. Um 1800 eröffnet daher Schoubart am Liversel im Foulon-Viertel ein Färbereiwerkstatt. Jean-Georges Reber kauft ein Gebäude der ehemaligen Minengesellschaft zurück und verwandelt es in eine Färberei. Andere Industrielle schließen sich dieser aufkommenden Bewegung an. Es ist der Beginn der Baumwollindustrie.

Stoffe aus Sainte-Marie : Die großen Zeiten

Die Gründung der ersten Spinnereien, gefolgt von den ersten Färbereien erleichtert den Webern ihre Arbeit, da sie sich nun vor Ort mit den nötigen Rohstoffen eindecken können. Im Jahre 1797 sind 4000 Arbeiter in 10 Manufakturen beschäftigt. 1803 zählt man in Sainte-Marie-aux-Mines 600 Webstühle für Baumwollgewebe und 266 für Wirkmaschinen. 6000 Arbeiter sind in Sainte-Marie-aux-Mines und in den Tälern der Umgebung in der Textilindustrie tätig.
Zwischen 1825 und 1833 etabliert sich ein reger Handel mit Paris. Sainte-Marie-aux-Mines wird zu einem Textilzentrum, das für die Qualität seiner Stoffe bekannt ist.

Die Technik, die die Weber von Sainte-Marie anwenden, besteht darin, dass Garne weiter verarbeitet werden, die zunächst nach Farben getrennt gefärbt wurden. Das Resultat ist ein farbiges Baumwollgewebe, der so genannte « Article de Sainte-Marie », eine Ware, deren Name im Lauf der Zeit variiert. Am bekanntesten sind die Bezeichnungen « Siamois », « Gingham » oder « schottisches Leinen ».

Der Ausgangsstoff verändert sich, aber das Herstellungsprinzip bleibt gleich. Die erste « Textil-Periode » von Sainte-Marie ist von Baumwollgewebe geprägt (1750-1840).

Der Krieg von 1870 und die Annektierung des Elsass durch Deutschland haben für die Gewerbetreibenden von Sainte-Marie weitreichende Konsequenzen. Bis dahin war Frankreich war der hauptsächliche Absatzmarkt. Künftig werden ihre Produkte mit Zöllen belegt und können mit den Stoffen, die in den nordfranzösischen Fabriken hergestellt werden, nicht mehr konkurrieren. Die Textilindustrie in Sainte-Marie orientiert sich nun am deutschen Markt, der von ihr Wolle verlangt. Von 1874 bis 1886 kommt es zu einer vollständigen Neuorientierung. Die Eroberung des deutschen Markes verläuft erfolgreich, und die Qualität der Produkte führt dazu, dass auch der französische Markt rasch wieder beliefert werden kann.

Gleichzeitig werden Fortschritt auf dem Gebiet des Färbens und Webens erzielt. Zwischen 1870 und 1890 findet in den großen Werkstätten eine umfangreiche Mechanisierung statt.

Der 1. Weltkrieg hat erneut die Einstellung der Arbeiten zur Folge. Sie werden 1919 wieder aufgenommen, doch der Börsenkrach von 1930 führt noch einmal zur Krise, denn 25 bis 30 Prozent der Gewebe aus Sainte-Marie sind für den Export bestimmt.
Der Einmarsch der Deutschen im Juni 1940 unterbricht die Produktion, so dass bis zum Kriegsende kein « Article de Sainte-Marie » mehr hergestellt wird. Mit der regelmäßigen Wiederbelieferung mit Rohstoffen ab 1946 beginnt eine neue Blütezeit.

Sainte-Marie-aux-Mines wird erneut zu einem wichtigen Zentrum der Wollindustrie. Mischgewebe aus Baumwolle und Wolle führten zu der Kreation von « Lavablaine ».

Diese euphorische Periode ist von kurzer Dauer, denn von 1954 an erschüttert eine neue Krise die Textilindustrie. Zahlreiche Betriebe erholen sich nicht mehr, und die Krise breitet sich im Verlauf der siebziger Jahre immer mehr aus.
Auch in neuerer Zeit musste Sainte-Marie-aux-Mines einen harten Schlag verkraften, als die letzte traditionelle Weberei, Edler und Lepavec, ihren Betrieb einstellte. Derzeit existiert nur noch ein Textilunternehmen, die « Sociéte des Teintureries de l"Est » (TDE). Das Unternehmen, 1830 entstanden, beschäftigt noch 48 Angestellte und beliefert bekannte Markenhersteller wie Lacoste, Agnès B, le Jacquard Francais ...
Seit 2005, in diesem Tal geprägt von einer über 250 jährigen Textilindustrie, knüpft ein neues kreatives Atelier an der Tradition der Weberei an : Création Tissus du Val d’argent. Catherine Malecky lässt ihrer Fantasie freien Lauf und dank Ihres Know-How fertigt sie hochwertige Stoffe für eine breite Klientel an…




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